Der Schatz im Silbersee. Gesammelte Werke 36.


 
Auf Schatzsuche?
• • • • •   (bewertet mit 3 von 5 Punkten)

Irgendwie vermag mich diese Wildwest-Klamotte nicht zu fesseln. Zunächst einmal sind es die so anmaßenden, rechtschaffenen - allerdings haben sie dann keine Probleme trotz ihrer Selbstgerechtigkeit und Menschenliebe die Indianer über den Tisch zu ziehen und unter die Kapitalisten zu gehen - und hochherzigen Superhelden Old Firehand, Old Shatterhand und Winnetou nebst den unvermeidlichen Originalen, die mit Schrullen und Dialekteinlagen, nachdem der erste, bunte Lack ab ist, schlichtweg nur noch nerven, welche mich mit der Geschichte nicht warm werden lassen. Da, wo einer der ihren erscheint, weiß ich, daß sie die Situation, mag sie auch so ausweglos scheinen wie sie möchte, mit Leichtigkeit meistern werden. Spannung kann hier keine aufkommen, wenn Old Shatterhand nach Rambomanier sein Gewehr zückt, aus der Hüfte schießt ohne nachladen zu müssen und jeder Schuß selbstverständlich ein Treffer ist; wenn Betrug nur ein solcher ist, da ihn andere als die Helden begehen; wenn sie immer zur rechten Zeit am rechten Orte sind. Die Bösen sind demgegenüber natürlich hoffnungslos unterlegen, was man schon an ihrem einfältigen, unentschlossenen und hilflosen Verhalten oder der äußeren Erscheinung unschwer mehr als nur ahnen kann. Die Tramps sind abgrundtief böse, die Indianer grausam und treubrüchig, einige wenige können allenfalls als "edle Wilde" genügen. - Selbst unter Berücksichtigung der historischen Gegebenheiten und Empfindungen von vor hundert Jahren dünkt mir die einseitige, unsympathische Charakterzeichnung einseitig starr und heute unrettbar veraltet und damit überholt.

Wenig attraktiv, so finde ich, schaut zudem die Handlung im "Silbersee" aus. Als Aufhänger und Klammer zugleich dient die Kunde von einem Schatz im Silbersee, den unsere Helden wie auch die Bösen, die Tramps, haben wollen. Die Indianer stoßen mehr durch Zufall auf einem Kriegszug auf den See und dessen Geheimnis. Das ist der Punkt in dem sich alles vereinen soll. Doch erstens ist es von zu Beginn an auffällig, daß diese Geschichte des Schatzes nie ernsthaft verfolgt wird, denn ich als Leser erfahre eigentlich nichts Genaueres darüber (es wird mir gar nicht schmackhaft gemacht, zu erfahren, was es denn zu finden gibt), und zweitens ist das Vorgeplänkel mit Tramps und Indianern eigentlich beliebig austauschbar, es gibt kein schicksalhaftes Verhängnis, das durch die miteinander verknüpften Taten aller Handelnden zur unabwendbaren Entscheidung zwingt. Es plätschert vor sich hin. Die Tramps um den roten Cornel als lang aufgebaute Gegner - ach, wer hatte nicht alles eine Blutrache gegen sie? - verschwinden gegen Ende des Buches sang- und klanglos und werden dann der Einfachheit halber von den Indianern niedergemetzelt, die nun die Rolle der Bösen endgültig übernehmen. Formal nimmt die eigentliche Handlung um den "Schatz im Silbersee" deshalb auch nur die letzten Seiten im Buch ein. Ein kitschiges "Alles-wird-gut-Ende" beschließt die Geschichte.

Seltsam auch, wenn ich einen Karl May gelesen habe, habe ich das Gefühl, alle gelesen zu haben. Na ja, vielleicht gehöre ich auch einfach nicht zur Zielgruppe.
Eine Rezension von Muwatalli II. >
vom 1. August 2008
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